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BAG-Plesa Bundestreffen in Kassel 26. - 28.11.2010
AG 1: Bürgerarbeit

"Bürgerarbeit"

Zurzeit ist der geplante Bundesarbeitsdienst, in der Öffentlichkeit auch mit dem verschleiernden Wort Bürgerarbeit bezeichnet, leider durch die Debatte über die Regelsätze etwas aus dem Fokus geraten. Nichts desto trotz ist die Aktivierungsphase schon angelaufen und die ersten Arbeitsdienste werden wohl zu Beginn des neuen Jahres eingerichtet werden.

Dabei steht jetzt schon fest, dass die allermeisten ‚Diensttuenden' bei der ARGE aufstocken müssen. Auch bleibt man weiter im Zugriff der ARGE. Es müssen weiter Eingliederungsvereinbarungen abgeschlossen werden, alle behalten ihre Betreuer, es müssen weiter Bewerbungsbemühungen nachgewiesen werden und alle können weiter sanktioniert werden. Also das volle Programm, nur mit dem Unterschied, dass alle fast einen versicherungspflichtigen Job ausüben.

Nun ist die erste Zusage bei den Bedingungen, dass nämlich nach Tarif bezahlt werden muss, vom BMAS zurückgezogen worden. Deshalb ist es sehr zweifelhaft, ob auch alle anderen Bedingungen eingehalten werden, zumal das bei den 1-Euro-Jobs und beim Kommunal-Kombi auch nicht der Fall war. Die 1-Euro-Jobs haben massenweise reguläre Arbeitsplätze verdrängt und waren, oder sind es auch noch, in der Summe nicht zusätzlich. Kommunal-Kombi sollte über drei Jahre gehen und im Schnitt mit 1200 Euro Brutto entlohnt werden. Diese Bedingungen sind aber nie eingehalten worden. In einer Kreistagssitzung des Landkreises Zwickauer Land hat der Landrat, Herr Scheurer, die Empfehlung an die Kommunen gegeben, aus arbeitsrechtlichen Gründen keine Arbeitsverträge für 3 Jahre abzuschließen. Aus diesen Erfahrungen heraus können wir mit ruhigem Gewissen vermuten, dass es diesmal auch so kommen wird und die Bedingungen zu Ungunsten der ‚Diensttuenden' abgeändert werden.

Um die Sache kritisch zu begleiten und die Misstände anprangern zu können, aber auch dagegen vorgehen zu können, brauchen wir angehende Arbeitsdienstler, die uns berichten, wie sie eingesetzt und wie mit ihnen umgegangen wird. Dies betrifft dringend auch schon die Aktivierungsphase. Selbstverständlich bleiben die Informationen auf Wunsch auch anonym. Darüber hinaus können wir natürlich auch bei Problemen mit dem Träger weiterhelfen. Bitte beteiligen Sie sich zahlreich, um im Interesse aller, die Ausbeutung stoppen zu können und für gerechte und menschenwürdige Entlohnung und Bedingungen sorgen zu können.

Viele Grüße, Andreas

AG 1 Bürgerarbeit

Zusammenfassung: Gregor Zattler, Britta Grell. Monika Madaus, Andreas Pianski

Britta Grell hat sich mit USA -Bürgerarbeit beschäftigt. Die Sozialhilfe wurde unter Bill Clinton abgeschafft. In New York massiv Stellen im Öffentlichen Dienst abgebaut. Zielgruppe waren vor allem alleinstehende Mütter in Arbeitsmarkt
Der Erfolg, Erwerbslosenzahlen sanken um 70 %. Dieser Erfolg weckte Begehrlichkeiten bei der deutschen Politik (z.B. Roland Koch). Das Sozial- und Wirtschaftsmodell der USA übt weit über explizit neoliberale Kreise hinaus eine wachsende Faszination aus, die den hohen Kommodifizierungsgrad, niedrige Transferleistungen und die weitreichende Privatisierung sozialer Risiken nicht länger als Schwäche oder Rückständigkeit, sondern als Standortvorteile bewerten.

Aus ökonomischer Sicht gilt das US-Modell spätestens seit Mitte der 1990er Jahre aufgrund seiner hochgradig flexibilisierten und deregulierten Arbeitsmärkte, seinen steigenden Erwerbsquoten (vor allem unter der weiblichen Bevölkerung), seiner großen Lohnspreizung und seinen beeindruckend hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten als wesentlich erfolgreicher bei der Anpassung an demographische und weltmarktbedingte Herausforderungen als viele der Wohlfahrtssysteme im "alten Europa", die neben wachsenden sozialen Ungleichheiten auch noch mit anhaltender struktureller Massenarbeitslosigkeit konfrontiert.

Zahlreiche Regierungen in Ländern mit einer liberalen Sozialstaatstradition wie Kanada (insbesondere die Provinz Ontario), Großbritannien oder Neuseeland haben in den vergangenen Jahren die US-amerikanischen Workfare-Programme unmittelbar als Vorbild genommen. Aber auch in als sozialdemokratisch oder konservativ geltenden Wohlfahrtsstaaten wie Dänemark, Norwegen, der Schweiz oder der Bundesrepublik sind "aktivierende Strategien", das heißt die Kopplung von Sozialtransfers an Gegenleistungen der Empfänger, inzwischen zentraler Bestandteil sozialstaatlicher Programmatik und Praxis.

Häufig werden auch in diesen Ländern den Kommunen ganz neue Aufgaben und Zuständigkeiten in der Sozial- und Beschäftigungspolitik zugeschrieben. Gleichzeitig erhalten neue lokale Ansätze und Formen der Kooperation zwischen staatlichen und privaten Akteuren - angelehnt an Erfahrungen aus dem US-amerikanischen Kontext mit urbanen Revitalisierungs-, Sicherheits- und Kontrollstrategien - in der europäischen Politik und Fachöffentlichkeit eine immer größere Aufmerksamkeit.

Insofern macht es Sinn, die aktuellen Trends im Wettbewerb um die Neustrukturierung der Wohlfahrtssysteme als Folie für mögliche hiesige Entwicklungen zu betrachten.
Wenn es stimmt, dass das amerikanische politische System eine Art Laboratorium bietet, dann spricht vieles dafür, sich auch in Europa intensiver mit den gegenwärtigen innen- und sozialpolitischen Transformationsprozessen in den USA und ihren gesellschaftlichen Implikationen auseinanderzusetzen.

Bislang standen im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit den neuen Workfare-Strategien allerdings nur einige ausgewählte Aspekte, die eng mit den offiziösen Zielsetzungen der Gesetzgeber korrespondieren: die Senkung der Sozialhilfequoten sowie die Erhöhung der Arbeitsmarktintegration von Menschen, die aufgrund von erheblichen Beschäftigungsbarrieren und Familienverpflichtungen wie Kindererziehung oder Pflegeaufgaben in vielen Ländern vor einigen Jahren noch einen gewissen staatlichen Schutz vor den Risiken und den Anforderungen des Marktes für sich beanspruchen konnten.
Gemessen am ersten Kriterium war das dezentralisierte US-Modell - zumindest vorläufig - ein voller Erfolg: In den USA haben seit Inkrafttreten des PRWORA etwa vier bis fünf Millionen Erwachsene - freiwillig oder von den Verwaltungen erzwungen - den Sozialhilfebezug verlassen.

Langzeitarbeitslose werden aktiviert (Tatort Zwickau)

Es gibt kaum Kritik oder Widerstand gegen von der Leyens Pläne, Hartz- IV- Bezieher zur "Bürgerarbeit" zu verpflichten. Verpflichten heißt hier, wenn ein Langzeitarbeitsloser zu dieser Zwangsmaßnahme NEIN sagt, wird er sanktioniert und das dann solange, bis er diese Arbeit angenommen hat.

Nochmal zum genauen Verstehen für die, die denken ach, das ist doch etwas Gutes, es ist eine Zwangsarbeit für einen Hungerlohn. Der Bürgerarbeiter soll 900 Euro brutto monatlich bekommen (davon werden noch Steuern, Rentenbeiträge und Krankenkassenbeiträge abgezogen), es verbleiben ca. 675 Euro. Noch sind wir nicht soweit, noch steht das Modell in der sogenannten Aktivierungsphase und zu dieser gibt es einiges zu berichten.
Soviel noch, Kommunen und Städte sind ganz scharf auf die Vergabe, denn die sogenannten Bürgerarbeiter setzt man einfach da ein, wo reguläre Jobs geschaffen werden müssten. Es gibt Zuschüsse vom Bund, die Statistik sieht gut aus, Arbeit gibt es keine, also schaffen wir den Niedriglohnsektor, das ist auch eine Leyen-Taktik.

Ein Eiferer in der Richtung ist der Noch-Geschäftsführer der ARGE Zwickau-Stadt, Klaus Große.Er hat sich erfolgreich am sogenannten Interessenbekundungsverfahren zur Durchführung des Modellprojektes Bürgerarbeit beteiligt. Das eingereichte, vierstufige Konzept wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales positiv bewertet. Noch-Geschäftsführer Große erwartet eine Eingliederung von ca. 150 bis 200 Bürgerarbeitern für Zwickau, die aber auch ca. 500 Aktivierungen von SGB II Kunden notwendig macht. Ziel der Aktivierungsphase ist die Integration in eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. So Große im Interview bei Zwickau TV.

Hier geht der "Spaß" so richtig los, 6 Monate Aktivierung, dafür werden Maßnahmeträger gebraucht. Einer war die GBF in Glauchau und ein weiterer ist jetzt bekannt geworden, FAW in Zwickau, im vollen Namen " Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGMBH", klingt so positiv, dass keiner daran denkt, was wirklich abgeht.

"FAW - Wir über uns
Das Ausbildungszentrum Zwickau der FAW Akademie Chemnitz (AZZ) ist ein gemeinnütziges Ausbildungs-, Fortbildungs- und Beratungszentrum für die Industrie, das Handwerk, den Handel und das Dienstleistungsgewerbe.
Unsere Kunden

  • Ausbildungsbetriebe und deren Auszubildende
  • Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe im In- und Ausland
  • Bundesagentur für Arbeit sowie Landes- und Bundesministerien
  • im Berufsleben stehende Arbeitnehmer
  • Arbeitssuchende, aber auch sozial benachteiligte Menschen sowie Rehabilitanden."
So die Website des Unternehmens und dann Aktivierungsmaßnahmeträger für zwangsverpflichtete Langzeitarbeitslose, später dann Bürgerarbeiter.
Was macht das FAW zum Angebot?
In der Aktivierung wird gekocht, gebastelt, gewandert, Regale ein- u. ausgeräumt, Bewerbungen geschrieben u. Tischtennis gespielt.
Mit anderen Worten heißt das, Gebiet Hotel/Gaststätten lernt kochen, natürlich gesund und das muss man nicht nur schmecken sondern sehen. Wie geht das nun wieder, indem eine Tafel gebastelt wird mit gesunden Obst u. Gemüse, Kita wo bist du ?.
Spedition/Logistik, da werden eben Regale mit Büchern bestückt u. dann wieder entfernt.
Fragt ein Aktiver nach dem Gabelstaplerschein, den er bestimmt gebrauchen kann, ist das zu teuer, diesen zu erwerben.

Metallbearbeitung, Fachgebiet 3, hier wird gefeilt was das Zeug herhält, vielleicht darf in ein Werkstück auch mal gebohrt werden aber so ist nichts.
Oh, doch Sport, es wird gelaufen, gelaufen bis einige schon etwas ältere Teilnehmer am Ende sind, nicht zu vergessen das Tischtennisspiel, das auch zur Aktivierung gehört.
Das Ganze bekommen die Teilnehmer in einer EGV (Eingliederungsvereinbarung) auf die Nase gedrückt, dass sie ja sanktionsreif sind, wenn sie sich quer stellen.
In einer Studie wird darauf hingewiesen, dass sich Bürgerarbeit an den Fähigkeiten u. Kenntnissen der einzelnen Teilnehmer orientieren soll. Der BA zufolge sollen auch keine regulären Beschäftigungsfelder durch Bürgerarbeit unterlaufen werden. Es soll gemeinnützige Beschäftigung akquiriert werden, um auf sinnvolle Tätigkeiten verweisen zu können. Diese Worte hören sich an wie "Grimms Märchen", denn sie haben mit der Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun.
Die Arge hat einen Pool gebildet und die Leute zum Vermittler bestellt, es wurde eine Infoveranstaltung organisiert, mit Datenabfrage / Profiling
  • Keine Angaben zur Laufzeit oder andere sachdienliche Informationen
  • Zwangsbewehrt, wer raus will, kriegt Sanktion
  • Bsp.: Frau mit "gut dotiertem" Nebenjob konnte sich rausziehen, weil sie andernfalls den
  • Nebenjob, mit dem sie ihren Bezug verringert, verlieren würde
  • Eine verpflichtende Aktivierungsveranstaltung war ein Spaziergang mit Gruppe von 45+ Jahren
  • zu möglichen Einsatzorten: Schule, Kinderarbeiten;
  • Morgen: Sport in der Turnhalle ab 8:00
  • Wer drin ist, kommt nicht mehr raus
  • Mögliche Einsatzorte: Hotel & Gaststätten, Altenpflege, Gartenbauamt
  • 2-3 Termine / Woche im Amt für Jobangebote

    Allen rekrutierten Teilnehmern wünschen wir die Fähigkeit, zu solchen Zwangsmaßnamen endlich NEIN zu sagen, die Unterschrift unter die EGV zu verweigern und sich an die Sozialrechtsprechung zu wenden.

    Der Einzige der hier wieder verdient, ist der Maßnahmeträger, der mit einem Minimalaufwand versucht die Teilnehmer/Bürgerarbeiter durch die Aktivierung zu schleusen, siehe FAW Zwickau.
    In Deutschland wird bestritten, dass es einen Verdrängungseffekt von ‚normalen' Arbeitsplätzen durch Bürgerarbeit gibt. Es existiert eine massive Aufwertung dieser Diskussion im akademischen Bereich. Internationale Firmen transferieren Know-how zum Sektor in dieser Diskussion.
    Es gibt einen Konflikt in der Berliner Regierung: die ‚Linke' ist für öffentliche Beschäftigung, 340.000 Bürgerarbeitende sollen in Deutschland 2011 besc häftigt werden.
    ABM wird inzwischen total runtergefahren (in 2010 waren es bundesweit 279.000 1,-·€ Jobs; allein in Berlin: 75.000 (!); davon 40.000 in Entgeltvariante.

    Neue Instrumente der Beschäftigungsförderung
    Beschäftigungszuschuß, Kommunalkombi (20.000), ÖBS- Berlin (6.000 - 6.500), Bürgerarbeit

    Im Bundesgebiet läuft seit max. 1/2 Jahr die Aktivierungsphase, in Berlin ab 1.1.2011. Die Leute werden abgeklopft, ob sie sich für die Trainingsarbeiten eigenen Voraussetzung der Eignung: über 35 J, keine Schulden, keine Alkoholprobleme Berlin stockt auf: 1300,- € / 40h; angeblich freiwilliger Einstieg (Entgeltvariante).

    Das Pilotprojekt zur Bürgerarbeit lief in Sachsen-Anhalt; Aktivierungsphase (IAB evaluiert Bad Schmiedeberg); Kurort mit 4.000 Einwohnern; Hartz- IVer von 16 % auf 8 % halbiert; Abschreckungsprojekt; Betreuungsintensität / Schlüssel besser; sonst nix positives zu Berichten 1/2 Jahr Aktivierungsphase

    Betreuung: Motivieren, Vermittlung (neue Vermittler von außen), Spreu vom Weizen trennen Schwarzarbeit bekämpfen, bis zu 20 % melden sich ab (wichtige Zielsetzung).
    Wenn nix los, dann Bürgerarbeit; 20-30 Wochenstunden, Regelungen wie 1,- € Jobs, 3-jährige Beschäftigungsverhältnisse angestrebt, werden obligatorisch sein / sanktionsbewehrt trotzdem weiter Stress mit dem Amt (Bewerbungen etc) ür ALG-II -EmpfängerInnen

    Offenbach:
    Seit der zweiten Hälfte des Jahres 2010 Aktivierungsphase;
    (1/2 Jahr) für 900 - 950 ,- € brutto;
    entspricht ungefähr ½ Jahr ALG II (inkl. Miete) + 1,- € Job;
    Hoher Anteil MigrantInnen in der Bevölkerung;
    Vorzeigeprojekte;
    3- 4x so viele in die Aktivierungsphase, als anschließend für Bürgerarbeit vorgesehen;
    Träger in Offenbach klagen, dass 30 % der 1,- € Jobs abgebaut werden;
    ab 2012 Optionskommune;
    Einteilung: in marktnahe und marktferne Gruppen;
    Vermutung: die marktnahen (jungen,) frisch Erwerbslosen sollen in Bürgerarbeit geschoben werden;
    Finanzierung allgemein über den Bund:
    Geld (max. 1080 € für 30 h/ Woche, 180 für Arbeitgeber),
    Kommunen dürfen aufstocken, Arbeitgeber auch (ha!),
    197 ARGEN / Optionskommunen nehmen teil:
    ungefähr 50 % der Ämter; Laufzeit 2010 - 2013/4,
    Zielgruppe: 160.000 Teilnehmer in Aktivierungsphase / 34.000 Bürgerarbeitsplätze;
    Ziel: flexibler / effektiver Spielräume für Kommunen;
    alles auszuprobieren.



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    mehr zur Bürgerarbeit