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Einladung zur Fachtagung 2011 27. / 30. Mai in Köln
Beraten, Begleiten und ZahltagLiebe Mitglieder, Unterstützer_innen und an der Arbeit der BAG Prekäre Lebenslagen Interessierte,die BAG Prekäre Lebenslagen veranstaltet am letzten Mai- Wochenende eine zweite Fachtagung 2011. Hierzu seid Ihr herzlich eingeladen!
Diese Fachtagung wird unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Anreise am Freitag, 27. Mai um 14 Uhr Ort: Naturfreundehaus Kapellenweg 9a 51103 Köln Kalk bei Google Maps "Kapellenweg 9a, Köln" eingeben
www.naturfreundehaus-kalk.de/
Anreisebeschreibung ist in Arbeit - vom Hauptbahnhof aus ca. 5 km entfernt, im Osten der Stadt im Stadtteil Kalk
Anmeldung:
Walter Michael Wengorz: wmwhallesaale [at] nojobfm.de (0177 - 38 71 430; 0345- 44 56 150, Fax 0345- 44 56 149 (nach Voranmeldung manuell)
Mit Übernachtung: Vollzahler/-innen: (Teilnehmer/-innen, die über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen oder deren Beitrag von einer Organisation getragen wird) 50 Euro ermäßigt: (Teilnehmer/-innen, die von Alg II, Sozialhilfe oder auf diesem Einkommensniveau leben) 25 Euro Bettwäsche und Verpflegung sind in den Teilnahmegebühren enthalten, ebenso ein proletarischer Stadtrundgang durch Köln Kalk
Tagesgäste zahlen 10 Euro für einen Tag, für zwei und mehr Tage 20 Euro.
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Beratung:Welches sind die zentralen Themen, die die Lebensrealitäten und Perspektiven von Armenakteuren miteinander verbinden? Was sind die Auseinandersetzungen von Armen um ihr alltägliches (Über) Leben?
Dass wir mit unserem Beratungsengagement Konflikte mit dem Jobcenter deeskalieren, an Stelle deren Zuspitzung zu forcieren, scheint einer jener vielen Widersprüche zu sein, mit denen Menschen leben müssen. Für unsere persönlichen Interessen und den Interessen derer, die bei uns Hilfe suchen, hat sich das 'Beraten und Begleiten' allemal bewährt. Wir sind am Ort der direkten Auseinandersetzung, können sie aktiv und zu unseren Gunsten gestalten und ggf. demonstrative Zeichen setzen. Und nicht zuletzt: wir bilden uns anwendungsbezogen anhand ganz praktischer Routinen. Im Gesamtkontext des Kampfes gegen Hartz IV, um mehr Gerechtigkeit, erscheint es als mühseliger Kleinkrieg, der sich ggf. eher defensiv, als offensiv äußert. Und er bindet Zeit und Kraft! Als großes Manko kann hier vielleicht konstatiert werden, dass wir sehr oft als Stellvertreter_innen der Betroffenen aktiv sind und in der öffentlichen Wahrnehmung als eine solche DienstleistungsInstitution wahrgenommen werden. Wir wollen über diesen Teilansatz unserer politischen Auseinandersetzung diskutieren. Als Referent_innen sind angefragt: ALSO Oldenburg, Tacheles.
Grundsätze in der Beratung sind für uns:
1. Unsere Beratung ist eine offene und parteiliche Beratung: immer im Einverständnis mit den Ratsuchenden, nie mit dem Amt!
Ergebnisoffenes Beraten heißt: ob z.B. die Teilnahme an Maßnahmen durchgesetzt oder abgewehrt werden soll, entscheiden die Ratsuchenden; parteiisches Beraten heißt für uns, dass wir in beiden Fällen dahingehend helfen, das Ziel zu erreichen.
2. Ziel: Wie bekomme ich mindestens das (Geld / Leistung), was mir rechtlich zusteht – oder das, was ich dem Amt sonst wie entlocken kann?
3. Wichtige Fragestellung: Wie kann ich Ämterschikanen abwehren, die mir meinen ohnehin nicht leichten Alltag schwer machen? (Sich nicht klein kriegen lassen!)
Limit parteilicher Sozialberatung:
1. Kein Beratungskonzept zur Arbeitsaufnahme oder Maßnahmeteilnahme um jeden Preis. Diese unterstellen, die Leute seien zu unwillig oder unfähig, Initiative zu ergreifen und das Richtige für sich zu finden. Weiter unterstellen diese, es gäbe genügend Arbeits- und Maßnahmeplätze für alle.
2. In der Beratung, in unserer Öffentlichkeitsarbeit und in unseren Kampagnen wenden wir uns gegen extensive Meldepflicht, schikanösen Bewerbungszwang, Einschränkung der Berufswahlfreiheit, Pflichtarbeit und Arbeitspflicht.
3. Im Vordergrund steht für uns die Forderung nach ausreichender Existenzsicherung für alle. Sie ist unter den gegebenen Bedingungen die Grundvoraussetzung für alles weitere, was Arbeitslose und Arme betreffen könnte.
Die Beratung ist ein gebrauchswertorientiertes Angebot für gemeinsame Probleme beim Erzielen von Einkommen (Aufstockende und andere Grundsicherung). Unsere gewählte Form und Art der Selbstorganisation scheint uns der geeignete und notwendige Ansatz für eine Gegenmacht gegen die Demütigung, Entwürdigung und Unterordnung - nicht nur gegenüber dem Amt. Und es geht uns darum, gegen eine häufig zu beobachtende persönliche und politische Resignation und Isolation, uns zu solidarisieren. So ist das Beraten und das Begleiten kein altruistischer Akt, sondern eine solidarische organisierte Handlung und ein Mittel zu persönlicher/kollektiven Ermutigung und Emanzipation und gegen neoliberale wie auch ganz rechte Propaganda.
Ständige Aufgabe bleibt dabei, Punkte für aktuelles, erfolgsorientiertes Eingreifen zu finden. Beraten und Begleiten liefert jede Menge praktischer Beispiele. Neben einer gesellschaftlichen Debatte ergeben sich unserer Einschätzung danach die Eingriffsmomente. Mit unserem Auftreten und unserem Kampf an der Orten der Ausführung der Hartz-Gesetze (JobCenter) leisten wir politische (Klein)Arbeit gegen unsere eigene Erniedrigung und gegen den Zwang zur Arbeit.
Fazit einer parteilichen Beratung:
Unserer Meinung nach kann über Beratung eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit dem Amt zu führen, ermöglichen. Hilfreich sind dabei oft nebenherlaufende direkte Interventionen z.B. in Form von Zahltagen und Begleitschutz.
Erzielte Erfolge ermutigen zu mehr, nicht nur der Behörde zu widersprechen und sich zusammenschließen, und kann Vertrauen schaffen, sich gesellschaftlich von unten einzumischen und das Kräfteverhältnisse zu unseren Gunsten zu verändern.
Begleiten zum Amt und Zahltag:Ob und wie wir die Hilfe suchenden Menschen mehr in die Verantwortlichkeit einbeziehen wollen, sich solidarisch in unser Engagement einzubringen. Eine Stärke der sozialen Bewegung/der Armeleute-Bewegung liegt in der unkontrollierten Störung von Alltagsroutinen der Ämter. Die Störung der Routinen kann sich nicht entfalten, weil sich (Erwerbslosen) Proteste zu häufig und zu schnell auf eine Vermittlung von Gewerkschaften, Sozialverbänden und Parteien einlassen. Eine Ämterauseinandersetzung läuft derzeit in den Regionen in Form von Begleitung oder Begleitschutz und Zahltag. Zahltag und Begleitschutz ist nicht dasselbe, Zahltag ist artikulierter Protest auch für eine/n selber.
Begleitschutz ist etwas, zu dem man dazu stoßen kann, wenn man begleitet und begleitet werden will. In manchen Städten läuft die Begleitung über Internetforen. Als Referent_innen haben zugesagt: Agenturschluß Köln, die KAEs.
Positiv bewertet wird am Begleiten:
1. begleitete Menschen während ihrer Interessendurchsetzung den emanzipatorischen Moment erleben, ihre Würde erfolgreich verteidigen zu können;
2. aktive Solidarität vorbildhaft oder selbst-bezogen erleben;
3. politische Erkenntnisse in Bezug auf das System, als auch auf das Verhalten bei ARGEn/Jobcenter gewonnen werden;
4. damit die Rhetorik seitens der Jobcenter und die Wahrnehmung seitens Betroffener von sogenannten „Einzelfällen“ gebrochen wird. „Ämterbegleitung“ kann ein Schritt zur Selbstorganisierung Betroffener sein.
5. Die daraus gewonnen Erkenntnisse bzw. die Thematisierung von „Arbeit“ und „Einkommen“ können Bestandteil politischer Kampagnen sein.
Eskalations- und Deeskalationsstrategien sind die Schwerpunkte der AG:
Eine kurze Bestandsaufnahme dessen was es gibt, Militanz, Schnittstellen zu anderen sozialen Auseinandersetzungen und Arbeitskämpfen …Am Ende wollen wir einen gemeinsamen Zahltag planen und machen.
Zur inhaltlichen Vorbereitung und zum historischen Selbstverständnis verweisen wir u. a. auf den nachfolgenden Text:
Der Aufstand der Armen! Das komplette Buch gibt es als PDF z.B. hier: http://www.who-owns-the-world.org/2010/02/01/aufstand-der-armen/ Dort ist die Rezension verlinkt, die im "express" erschienen ist: http://www.labournet.de/diskussion/geschichte/frings.html
Desweiteren verweisen wir auf unseren internen Mitgliederhinweisblog.
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