Für ein "Gutes Leben"!

AUFRUF an alle interessierten Personen und Gruppen, in Eurer Stadt Veranstaltungen unter diesem Thema zu initiieren.
Betroffene (Erwerbslose, prekär Beschäftigte, RentnerInnen, StudentInnen) bestimmen selbst über das, was sie benötigen!
Dazu gibt es bereits einige Vorarbeiten der Arbeitsgruppe "Ein gutes Leben" der bundesweiten Erwerbslosenorganisation "BAG Prekäre Lebenslagen".
Wir benötigen mindestens 15 aktive Gruppen oder Einzelpersonen aus 15 Städten, die die Veranstaltungen durchführen.
Bisher haben Gruppen aus Frankfurt/Main, Offenbach/Main, Menschen aus Kiel, Bremen und Berlin zugesagt. Gruppen und Personen aus Bochum, Oldenburg und Offenburg entscheiden noch darüber, ob sie mitmachen.

Informationen zur Veranstaltungsreihe "Gutes Leben"

Die bisherigen Diskussionen über Existenzsicherung sind dominiert von ExpertInnen und PolitikerInnen. Mit unserem Aufruf, die Debatte über ein "Gutes Leben" zu beginnen, fordern wir alle Interessierten auf, selbst festzulegen, was benötigt wird, um ein gutes Leben zu führen. Selbstorganisation statt Fremdbestimmung! Uns geht es um eine andere Form und einen anderen Inhalt der Existenzsicherung. Weg von Almosen und Mindestsicherung, hin zu Lebensfreude und wirklicher Beteiligung am sozialen und politischen Leben! Das Recht auf ein gutes Leben umfasst nicht nur die Armutsbevölkerung, sondern muss und soll breiter gefasst werden.

Darüber hinaus sind Bündnisse wichtig und sollten gesucht werden. Der Zusammenhang z.B. zur Ökologiebewegung und der "Recht auf Stadt"- Bewegung liegt auf der Hand. Und der internationale Aspekt ist vorhanden: Buen Vivir!

Zudem gibt es deutliche inhaltliche Berührungspunkte zu den Forderungen nach einer freien sozialen Infrastruktur und der Debatte über Gemeingüter/Commons.

Hier noch einige wichtige Hinweise:

Wir finden es prima, wenn wir außer den sozialen Initiativen auch Menschen ansprechen könnten, die sich, unabhängig von ihrer Einkommenssituation, an der Diskussion in ihrer Stadt beteiligen, da das Thema so ziemlich alle angeht.

Wir sind nicht darauf fixiert, das am Ende der Veranstaltung eine Zahl steht (die die Höhe einer notwendigen Existenzsicherung betrifft), überlassen es aber den Veranstaltungsgruppen, wie sie im Rahmen der Debatte um ein "gutes Leben", diese gestalten. Natürlich erhoffen wir uns auch inhaltliche Rückwirkungen auf die Regelsatzdiskussion.

Jede Veranstaltung sollte protokolliert werden. Wir von der BAG-PLESA bieten an, die Protokolle zu sammeln, eine gemeinsame Auswertung zu koordinieren und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Neben den anvisierten, nach der Veranstaltung zu gründenden Städtegruppen, wird es noch ein zentrales Treffen aller beteiligten Gruppen und Akteure geben, um darüber zu beratschlagen, wie das Thema theoretisch und praktisch umgesetzt werden kann.

Hier der Vorschlag für ein Veranstaltungs-Input:

Von der armutspolitischen Diskussion her gesehen, steht für uns die von den Herrschenden unsäglich geführte Debatte über einen neuen Regelsatz im Mittelpunkt. Gleichzeitig suchen wir aber auch die Solidarität mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, die von prekärer Beschäftigung, Rentensenkung, Bafögreduzierung usw. betroffen sind. Allen dürfte klar sein, dass ähnlich wie beim Regelsatz, politische Entscheidungen ausschlaggebend sind, die eine große Anzahl von Menschen in ärmliche Lebenslagen treibt.

Muss oder kann ein Regelsatz, eine Rentenbestimmung, ein Niedriglohn oder ein Baföghöchstsatz Grundlage sein, wenn es um unsere Bedürfnisse und Lebensgrundlagen geht?

Wir meinen NEIN!, denn es geht darum, in einem reichen Land über ein gutes Leben für alle zu reden, ohne sich selbst reflexartig zu reduzieren.

Was bedeutet das?

Betroffene bestimmen selbst über das, was sie benötigen. Mit Betroffene meinen wir nicht nur Erwerbslose, sondern eben auch prekär Arbeitende, RentnerInnen, StudentInnen usw. Es soll nicht über sie geredet werden, sondern sSie selbst bestimmen die Debatte.

Und es geht nicht um Mindesteinkommen, um Mindestsicherung, sondern um die Realisierung eines guten Lebens, ohne sich selbst zu beschränken, aber auch ohne jetzt in Dauerstress Konsumgüter anzuhäufen.

Über diese Fragen wollen wir diskutieren!

Aber was könnte denn ein gutes Leben sein? Vielleicht ein Leben in Selbstbestimmung und Selbstentfaltung, das gefördert oder eingeschränkt wird durch materielle Bedingungen.
Ausreichende Existenzsicherung könnte die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen vorantreiben und dem jeweiligen Akteur die Möglichkeit bieten, Dinge realisieren zu können (politisch, kulturell, individuell etc.), die er/sie für wichtig erachtet. Allerdings wird uns nichts in den Schoss fallen, für all diese Dinge muss gekämpft werden!

Dieses Ziel bedeutet eine andere Sichtweise auf das Verhältnis von Armut und Reichtum, d.h. Armut ist nicht gottgewollt und - Reichtum kann auch anders verteilt werden.

Dieses Ziel bedeutet eine andere Sichtweise auf Lohnarbeit, indem andere Tätigkeiten aufgewertet werden, der Sinn mancher Arbeiten in Frage gestellt wird und die Automatisierung für unangenehme Arbeit voranzutreiben ist.

Dieses Ziel erweitert den Blickwinkel auf die Schaffung einer notwendigen freien sozialen Infrastruktur. Mobilität kann auch durch ein kostenloses öffentliches Verkehrswesen gefördert werden.

Ziel ist nicht nur das Individuum, sondern das Gemeinwesen. Also, es geht auch um die Frage: Was brauche ich, das ich nicht kaufen kann? (nicht nur, wie bekomme ich die Miete zusammen, um zu wohnen, sondern welche Arten von Wohnen möchte ich entwickeln, welche Art von Gesundheitspolitik usw.). Aber alle guten Fragen und noch bessere Antworten nützen nichts, wenn nicht solidarische Zusammenhänge gemeinsam für diese Forderungen und Inhalte streiten und sich auf der Strasse engagieren.

Im Weiteren wollen wir anhand verschiedener Fragen, das gute Leben einkreisen und benennen! Eine Reihenfolge könnte so aussehen:
Rückmeldungen per mail bitte an chgarms (at) web.de
Der Meldetermin für Personen und Gruppen, die mitmachen wollen, ist jetzt der 1. Juli 2011

Stand 10.6.2011